Das innere Ankommen zweier Pferde – ein tief berührendes Jahr mit den Wallachen

18. Mai 2026 | Ganzheitliches Tierwohl

Vor ganz genau einem Jahr sind die beiden Pferde Rainbow und Corazon bei uns am Lebenshof Naturreich angekommen. Damals schrieb ich auch einen Blogartikel. Und zwar über unsere Beweggründe, zwei Wallache bei uns aufzunehmen. Du kannst das alles nachlesen in dem Artikel "2 neue Pferde am Lebenshof: Vom Suchen, Finden und Ankommen".

Es ist viel mehr als ein Ortswechsel, wenn Pferde wirklich ankommen. Das wirkliche Ankommen vollzieht sich auch nicht innerhalb der ersten paar Tage oder Wochen. Denn es ist ein Prozess, ein Wachsen und Werden, etwas sehr Tiefes, was da geschieht. Ich nehme dich in diesem Artikel mit in Etappen durch das erste gemeinsame Jahr mit den Pferden und ihr inneres Ankommen.

Als ich spürte, dass sie wirklich angekommen sind

Wir hatten gemeinsam so ein intensives Jahr, haben einander kennengelernt und tiefe Freundschaft geschlossen. In den ersten Monaten gab es noch viele Unsicherheiten von Seiten der Pferde. Sie waren vorsichtig, beobachteten sehr genau und prüften uns durch und durch. Es war gut, dass ich einiges über die Vorgeschichte der beiden Pferde erfahren konnte. So konnte ich etwaige heftige Reaktionen sofort begreifen. Die telepathische Tierkommunikation war auch sehr hilfreich, denn so konnte ich den Pferden schon vor der Abholung erklären, was passieren würden.

Stell dir vor fremde Menschen stehen plötzlich vor dir, laden dich einen Hänger ein und fahren mit dir weg. Wohin? Warum? Was passiert hier? Wie mögen sie sich fühlen all diese Tiere, die auf dieser Welt verkauft, verschenkt, weitergegeben werden? Das ist so ein verletzlicher, sensibler und auf eine Art gewaltiger Vorgang, wenn sie alles verlieren und vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Ich habe großen Respekt vor Neuaufnahmen von Tieren, weil ich Respekt vor ihrer Seele habe. Weil ich fühlen kann, wie orientierungslos sie oft sind. Und gerade deshalb gebe ich Neuankömmlingen meine volle Aufmerksamkeit. Ankommen heißt auch heilen dürfen, heißt entspannen dürfen, heißt geliebt zu werden, gesehen zu werden, verstanden zu werden. Ankommen heißt Fuß fassen, sich zu erden, Verbindung mit dem neuen Ort, der Boden, der Umgebung zu finden. Ankommen heißt wieder tief atmen zu können. Es heißt auch loszulassen, das Herz wieder zu öffnen und dann kann inneres Ankommen pure Freude bedeuten.

Wir wurden einander immer vertrauter, obwohl ich sagen muss, dass ich vom ersten Moment an Vertrauen in diese beiden wunderbaren Pferde hatte. Aber ich hatte ja auch nicht meine Heimat verloren und konnte somit ganz frei auf sie zugehen. Man müsste schon blind sein, wenn man nicht erkennen würde, welch feinen, liebevollen Wesen die beiden sind.

Corazon brauchte viel Zeit, bis Unsicherheit sich in Vertrauen wandelte. Er stand monatelang neben den anderen Pferden auf der Weide, wenn diese sich hinlegten. Manchmal war er so müde vom Stehen, aber er konnte noch nicht loslassen. Aber irgendwann war auch er so weit und man sah ihn immer öfters entspannt, schlafend neben seinen Freunden auf der Weide liegen. Anfang diesen Jahres dann. kam ich morgens in den Stall und da lag er, der feine Schimmel ganz gemütlich im Stroh, zwischen all den Tieren. Was für eine Freude! Reichte doch zu Beginn ein Hühnergeschrei, dass er wie von der Tarantel gestochen aus dem Stall flitzte, war er nun so weit und konnte entspannen.

Das nenne ich Ankommen der Pferde. Hier liegt der Schecke Rainbow auf der Seite und schläft im Gras
Ein schnarchender, entspannter Rainbow im Gras.



Rainbow legte sich schon nach wenigen Tagen draußen auf die Weide und schlief die erste Zeit immer draußen. Und nach einigen Monaten legte er sich auch im Stall hin. Jetzt fühlte er sich sicher. Rainbow wälzte sich schon nach ein paar Wochen inbrünstig an allen möglichen Stellen am Hof. Laut seiner Vorbesitzerin hatte sie ihn nie so entspannt wälzen sehen. Und Corazon macht es ihm immer nach und er legt sich schon auch unterwegs bei Wanderungen gerne mal hin und wälzt genüsslich.

Die Wallache hatten sich verändert, sie sind lockerer geworden, vertrauensseliger, mutiger und wilder. So habe ich das in meinen 30 Jahren Tierpflege immer wieder erlebt. Je mehr Freiheit die Tiere bekommen, desto mehr können sie ihre Persönlichkeit entfalten. Sie werden mutiger und freier und ich freue mich über die Wildheit der beiden Pferde.

Vom Wald aus sehe ich die Pferde im Trail. Pedi und Momo ganz vorne und die beiden Wallache kommen gerade zurück.

Paddock-Trail ermöglicht den Pferden Abwechslung

Immer wieder mache ich mir neue Gedanken, was ich noch in den Trail der Pferde einbauen kann, damit sie möglichst viel Bewegung und visuelle Reize haben. Im Bild oben sieht man gut, wie der Trail noch vor einem Jahr aussah. Mittlerweile ist er ergänzt um zwei Heuraufen, eine Wasserfurche, einen Holzhäckselplatz zum Wälzen und weiteres. Wenn man bedenkt, dass Rainbow die letzten Jahre in einer Box verbrachte und nur stundenweise auf ein Stück Wiese durfte. Oder Corazon alleine auf seinem Paddock stand, von dem aus er nichts sah, versteht man, warum die beiden sich so sehr freuen über etwas mehr Freiheit.

Die ersten Wochen sind sie sehr viel galoppiert, haben Wettrennen durch den Trail gemacht. Es donnerte der Boden, wenn sie im Galopp ihre Runden machten. Sie sind so fit und wendig und schaffen es auch im schnellsten Galopp den Hang hinunter und um die Kurven. Es tut ihnen so gut, dass sie selbst bestimmen können, wo sie sich aufhalten möchten. Und die Stuten werden dadurch auch angeregt sich zu bewegen.

Oft spiele ich mit ihnen im Trail, aber dann muss man schon mal aufpassen, denn die Pferde machen dann keinen großen Unterschied und beziehen mich voll in ihr Spiel ein. Wir hatten schon so viel Spaß zusammen. Noch immer ist das hier bei uns ja eine "Gartenzwerghaltung". Unser Ziel ist ein Hof mit mindestens 12 ha Land, damit die Pferde wirklich laufen können und mehr Freiheit gewinnen.

Die kleine Herde gemeinsam im Paddock-Trail unterwegs. Sie finden immer etwas zum Knabbern und haben Freude daran, zu wandern
Alle gemeinsam an der neuen Heuraufe, die am Anfang des Trails steht. Die vielen Futterplätze dienen dazu, dass die Pferde mehr laufen.
Morgens schau ich vom Bad aus zu den Pferden raus und da stehen sie alle auf dem neuen Holzhäckselplatz
Aufgenommen im Morgengrauen von meinem Zimmerfenster aus. 4.30 Uhr, der Morgengesang der Vögel beginnt und die Pferde schlafen gemütlich. Corazon ist hier noch nicht richtig angekommen. Es hat Monate gedauert, bis er sich das erste Mal entspannt hingelegt hat.

Fütterung und Stallmanagement - alles neu für die beiden Pferde

Wofür die beiden Pferde am meisten dankbar sind, ist die Tatsache, dass sie im Futter nicht mehr begrenzt werden und sie 24/7 Zugang zu Raufutter und Gras haben. Auch dass sie nie mehr in eine Box eingesperrt werden und sie einen großzügigen Paddock-Trail haben, indem sie sich zu jeder Tages- und Jahreszeit frei bewegen können. In dem Buch von Maksida Vogt "artgerechte Pferdefütterung" wird das Stallmanagement von Academia Liberti genau beschrieben. Wir versuchen das so gut es geht umzusetzen und haben unsere ohnehin schon natürliche Fütterung noch erweitert um die Saaten.

Buchweizen, Karde, Sesam, Leinsamen, Chiasamen, Schwarzkümmel, Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Mariendistelsamen liefern Omega-Säuren auf natürliche Weise. Auch die Haferfütterung haben wir verstärkt. Die Pferde haben täglich mindestens 500 Gramm ganzen Hafer bekommen. Momo in Zeiten von Krankheit weit mehr, weil sie die Energie einfach brauchte. Kräuter, Obst und Gemüse gehören ebenfalls zu unserer Fütterung. Der Speiseplan ist also sehr vielseitig, in freier Wildbahn würden sich die Pferde alles suchen, was sie brauchen. In Gefangenschaft liegt es an uns, feinfühlig festzustellen, was jedes einzelne Tier gerade braucht.

Die Futterumstellung der neuen Pferde verlief reibungslos, es gab nie Verdauungsprobleme oder sonstiges. Im Gegenteil, die Wallache wurden sehr kraftvoll und stark. Sie haben schönes Haarkleid und gute Hufe. Im Offenstall finden die Tiere naturbelassene Mineralien in Form einer frei zugänglichen Mineralbar, die übrigens auch noch ganz schön aussieht.

Ein wesentlicher Faktor ist die Herdenhaltung und genau deshalb haben wir auf vier Pferde aufgestockt, damit diese vier in ihrer Miniherde (6-12 Pferde wären eine richtige Herde) glücklich sein können. Der Herdentrieb ist so stark, dass selbst kranke Pferde, wie Momo immer in Bewegung bleiben. Die Herde bewegt die Pferde, das ist so faszinierend zu sehen. Sobald die Jungs losmarschieren, steht sie auf und geht hinterher. Einige Male ist sie auch schon ein Stück mit ihnen galoppiert.

Rainbow hat die Lamellen im Offenstall sofort angenommen und schaut gerne aus dem Stall heraus, wenn es draußen zu heiß ist.
Rainbow bei der Fütterung. Früher in der Box hatte er wohl immer einen festen Ecktrog. Hier bekommt er eine Schüssel und die schleudert er sehr gerne durch die Luft.
Die Mineralbar in doppelter Ausführung im Offenstall
Der Offenstall ist großzügig, es gibt einen Rundlauf, sodass sich die Pferde immer aus dem Weg gehen können. Die Wallache sind aber so sozial und vorsichtig mit den Stuten, es ist einfach nur schön.

Der erste gemeinsame Sommer mit den Pferden

Schon bald begann unser erster gemeinsamer Sommer, lästige Plagegeister flogen durch die Luft und ärgerten die Pferde ständig. Aber meine DIY Fliegensprays und DIY Salben auf Basis ätherischer Öle sind immer vorbereitet und erleichtern den Pferden das Leben in den Sommermonaten. Sie bekommen auch immer Fliegenmasken, wenn es viele Lästlinge hat, denn Kriebelmücken gehen ja auch in die Ohren.

Für Corazon sind Sprühflaschen erst mal ein "no go" gewesen, mittlerweile sind wir so weit, dass ich mir in die Hand sprühen darf und ihn damit einreiben und er rennt nicht gleich davon. Anfangs raste er schon beim Anblick der Flasche weg. Es gab viel Obst für die Tiere und an den ganz heißen Tagen blieben sie tagsüber lange im kühlen Stall. Dann waren sie aber dafür die ganze Nacht unterwegs. Wir haben sie öfters abgeduscht, wenn sie eine Erfrischung brauchten.

Egal wo wir unterwegs sind, die Pferde pflücken sich einfach, worauf sie Lust haben. Sie spüren ganz genau, was ihrem Körper gut tut. Wir vertrauen ihrem gesunden Fress-Instinkt.
Mit dem Sommer kommen natürlich auch die vielen Plagegeister. Hier sprühe ich Rainbow ein mit meiner selbstgemachten Anti-Fliegenmischung mit ätherischen Ölen. So kann man den Pferden auf ganz natürliche Weise helfen und obendrein ist es noch günstiger und riecht fein.
Im Sommer sind die vier viel am Grasen und natürlich bekommen sie immer eine Fliegenmaske, wenn Kriebelmücken unterwegs sind.

Sattelanpassung für die neuen Pferde

Das Equipement, welches die Pferde mitgebracht hatten, war nicht optimal. Beide Sättel passten nicht wirklich und sie sollten doch rückenschonend für die Pferde sein. So ließen wir eine wirklich gute Sattlerin kommen, die alles genau prüfte und uns sehr gut beraten hat. Letztendlich haben beide Pferde einen neuen, angepassten Westernsattel bekommen und dicke gepolsterte Pads.

Als ich den Termin mit der Sattlerin hatte, war ich nur ein paar Mal auf den Wallachen gesessen. Ich wollte sie nicht überfordern. Rainbow rannte zu der Zeit nur unter dem Sattel weg, lies sich kaum lenken und der alte Sattel machte ihn nervös. Es war alles noch zu früh. Aber mit Christine als erfahrende Sattlerin, Reiterin und Pferdefrau, war es trotzdem möglich eine gute Anspassung durchzuführen. Sie hat das Händchen für Pferde, sie mochten sie sofort und kooperierten wirklich gut, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt im September noch nicht ganz angekommen waren und unsere Basis noch nicht stabil.

Beide Pferde waren bisher gebisslos mit Sidepull geritten, doch ich wollte sie gerne an die Parelli Natural Hackamore gewöhnen und das tat ich dann auch. Mittlerweile reagieren sie sehr fein und lassen sich damit gut führen. Rainbow lässt sich seit ein paar Wochen sogar prima im Gelände reiten und reagiert sehr fein auf die Hilfen. Die Natural Hackamore, ein Knotenhalfter mit langen Seilen scheint ihm gut zu gefallen. Mit Sidepull war er ausser Rand und Band, aber mit diesem Knotenhalfter geht es prima.

Hier testen wir nochmals den mitgebrachten Sattel von Corazon und stellen fest, es braucht eine besser passende Lösung. Christine Ernst von Infinity Saddle hat uns mittlerweile einen wundervollen, leichten Westernsattel gezaubert.
Im Winter hatten wir bei eisiger Kälte die Sattelanprobe für Rainbow. Er hat wie immer super gut mitgemacht und das edle Stück passt sehr gut.

Wollen Pferde überhaupt geritten werden?

Für uns hat das Reiten keine Priorität, sondern die artgerechte Lebensweise für die Pferde. Prio 1 war ein harmonisches Ankommen der Pferde zu ermöglichen, ganz in ihrem Tempo. Das hieß im Klartext, dass wir rein gar nichts von ihnen wollten. Sie durften einfach Fuß fassen am Hof, ihre Position in der Herde finden und lernen, mit den Gegebenheiten und all den anderen Tieren zurecht zu kommen.

Sie konnten sich langsam an die Menschen am Hof gewöhnen und natürlich brachte das neue zu Hause auch viele andere Bedingungen, an die sich der Körper gewöhnen durfte. All diese Prozesse in der Eingewöhnungszeit brauchten die ganze Kraft und Aufmerksamkeit und wir wollten die Pferde mit nichts belasten.

Die telepathische Tierkommunikation ist bei uns am Hof so selbstverständlich, wie alles andere und so fragen wir auf diesem Wege gerne nach, wenn wir mehr vom Pferd erfahren möchten. Ich hatte ständig das Gefühl, dass Rainbow seine Ausritte vermisst. Er wurde früher sehr viel geritten und war immer gerne im Gelände unterwegs.

Rainbow ist ein Wanderer! So etwas hatte ich bisher noch nie erlebt, er hat sehr viel Go und möchte immer vorwärts und immer weiter. Es macht ihm solche Freude durch die Gegend zu laufen und alles genau zu betrachten. Mit freudigem und flottem Tempo geht er fleissig voran. So trafen wir die Entscheidung, er soll diese Freude weiterhin haben können.

Ich halte nichts von Pferdesport, von zu hoher Belastung der Pferde, zu frühem Einreiten, Überforderung in der Dressur, Springreiten oder Military. Doch ich weiß, dass Pferde einfach laufen möchten. Und gerade Rainbow ist eben dieser besagte, begeisterte Wanderer durch und durch. So üben wir spielerisch in Mini Sequenzen und machen unsere ersten Ausritte jetzt nach einem Jahr. Jetzt fühlt es sich stimmig an und so hat Rainbow die Möglichkeit sich auch auslaufen zu können. Denn bei den Wanderungen mit den Stuten geht alles etwas langsamer, da Momo oft nicht so gut läuft.

Mit Corazon ist es ähnlich, er war gewohnt dass man täglich mit ihm ausgeritten ist. Aber er wollte nicht mehr alleine raus. Er möchte gar nicht mehr ohne seine Herde sein, was ich in seiner Situation sehr gut verstehen kann. Er stand da alleine und er hatte sich oft geängstigt und bei den Ausritten war er auch sehr unsicher, denn auch da war er mit seiner Reiterin alleine auf sich gestellt.

Sobald er aber merkt, dass Rainbow auch dabei ist, findet er wieder Spaß an der Geschichte. Wir werden das sehr langsam mit ihm angehen. Erst wenn die sieben Spiele am Boden wirklich gut gehen, werde ich ihn reiten. Er ist noch schnell überfordert, wenn er etwas nicht ganz versteht, letzte Option ist dann immer das Steigen, wobei auch das schon sehr viel weniger geworden ist.

Durch die stundenlangen Wanderungen mit den Pferden haben sie so viel gelernt. WIr üben unterwegs anreiten, anhalten, beschleunigen, langsamer werden, biegen zum Anhalten, Stopps. All das zeichnet sich bei Rainbow schon als äußerst hilfreich aus und auch Corazon wird darin ganz sicher werden. Und zwar genau dann, wann es eben für ihn passt. Und wenn er dann sichtlich Freude am gemeinsamen Ausritt mit seinem Kumpel hat, dann reiten wir ihn.

Solange die Pferde Freude dabei haben, mit ihren Menschen am langen Zügel durchs Gelände zu streifen, hier und da zu fressen oder auch mal richtig rennen zu können, werden wir das ermöglichen. Hätten sie allerdings 100 ha Land, würden sie das nicht brauchen, dann wären sie in ihrer großen Herde unterwegs und könnten all ihre Bedürfnisse ohne den Mensch stillen. Pferdehaltung ist in unserem Fall also noch ein Kompromiss, auf dem Weg zu besseren Lebensbedingungen für Pferde.

Telepathische Tierkommunikation ist eine herrliche Möglichkeit, eine innigere Verbindung zum Tier aufzubauen, Fragen zu stellen, sie besser zu verstehen

Gesund und munter seit einem Jahr

Die beiden Pferde haben ihre Menschen verloren, ihre Stallkumpels, ihre gewohnte Umgebung, hatten eine Futterumstellung, andere Gräser wachsen auf der Weide und neue Energien wirken am neuen Ort. Sie mußten mit anderen Bakterien zurechtkommen, mit Artgenossen und vielen verschiedenen Tierarten am Lebenshof und nicht zuletzt waren da plötzlich andere Menschen, die noch so fremd waren.

Und trotz all diesen kollosalen Veränderungen sind Rainbow und Corazon gesund geblieben. Obwohl Corazon als Heustauballergiker weitergegeben wurde, hustet er (toi toi toi) bei uns nicht. Wir begannen sofort, das Heu zu nässen, obwohl wir noch hin- und hergerissen sind, weil dieses genässte Heu auch sehr schnell sauer wird. Also bieten wir beides an, trockenes und gewässertes Heu.

Es gab in dem ganzen ersten Jahr keine einzige Verletzung oder Schramme bei den Pferden. Sie haben nie gekämpft und benehmen sich auch im Stallbereich äusserst liebvoll und sozial. Da gibt es kein Gerempel oder sonstiges. Sie passen sehr gut aufeinander auf und vorallem auf die Stuten.

Meine Ausrichtung ist für mich persönlich und auch für alle Lebenshoftiere ganzheitlich. Und so weiß ich, dass ein gesundes Pferd in erster Linie gesunde Hufe und gesunde Zähne braucht, damit alle Vorgänge im Körper gut laufen. Seit Corazons Zähne bearbeitet wurden, ist er ausgeglichener und entspannter.

Corazon schaut aufmerksam, was da im Gebüsch raschelt - wir sind wieder einmal gemeinsam unterwegs und entdecken immer wieder neue Wege.

Der erste gemeinsame Herbst mit den neuen Pferden

Und schon begann der erste Herbst für unsere Neuankömmlinge, sie kamen in den Fellwechsel und die Tage wurden wieder kühler. Sie kamen mit allen Wetterlagen gut zurecht, auch wenn das manchmal etwas ungnädig aussieht, wenn man Offenstallpferde zur Zeit von Matschparade draußen sieht. Aber sie können das, sie sind dafür ausgestattet auch einmal heftigeres Wetter gut zu überstehen.

Es war einmal ein Schimmel... so sehen Offenstallpferde im Herbst auch schon mal aus.
Im Spätherbst gab es auch diese grauen, nassen Tage und die Pferde stellten sich so gerne unter bei der Kiefer.
Hier toben die vier Pferde wild umher, galoppieren, spielen, wälzen und haben sichtlich Spaß.
Damit die Pferde ankommen können verbringen wir viel Zeit. Hier ist Merlin mit ihnen bei einer Wanderung im Herbst.
Ein strahlender Herbsttag für unsere tägliche Wanderung mit den Pferden.
Der erste Frost und die ersten Schneeflocken - der Winter kündigt sich an. Corazon flähmt hier genüsslich.

Winter in der neuen Heimat am Lebenshof

Als die kalten Tage anrückten, kam die Frage auf, ob ich die beiden wohl eindecken soll. Pferdedecken hab ich ja genug im Schrank, aber ich war mir nicht sicher. Als das Wetter garstig wurde, gab ich beiden Wallachen eine Pferdedecke. Sie fanden das richtig doof. Corazon hatte die ganze Zeit versucht, sie irgendwie loszuwerden und Corazon war fast beleidigt. Ich nahm sie nach kurzer Zeit wieder ab und entschied: Diese Pferde werden nur bei absoluter Extremwetterlage eingedeckt.

Der Aufstellmechanismus des Fells funktioniert optimal, Rainbow hat das gleich bewiesen. Er sah im Winter aus, wie ein Plüschpferd und kam mit den Temperaturen sehr gut zurecht. Wir hatten also das komplette Jahr keine Pferde eingedeckt und das war eine gute Entscheidung. Die Natur hat sie gut gerüstet, sie stehen in gutem Winterfell da, obgleich der Schimmel etwas lange dafür brauchte. Aber auch er bekam letztendlich Winterfell, dass ihm dienlich war.

Ein typischer Wintertag am Hof mit Schneegestöber. Auch diese Zeit müssen die Pferde bestehen. Wir achten dann auf kraftspendende Fütterung und geben auch gerne Ingwer und Meerrettich dazu.
Schecke, Schimmel und die braune Stute Momo gemeinsam mit Matthias im Wald. Sie beschnuppern sich alle. Wenn Pferde ankommen ist Vertrauensaufbau sehr wichtig
Hier ist Matthias mit den dreien vorausgelaufen, Momo läuft frei und Pedi tuckert mit mir hinterher. Sie beschnuppern sich alle und hier ist sehr schön zu sehen, wie wichtig Vertrauen für Pferde ist.
Momo läuft eigenständig den Wallachen hinterher durch den Wald und alle genießen die knackig, frische Luft.

Die erste Zahnbehandlung bei den neuen Pferden

Im September 2025 stand die erste Zahnbehandlung der neuen Pferde an. Aber nicht nur das: Wir haben uns nach Antons Tod, vier Tage nach der Sedierung auf die Suche nach einer anderen Methode der Zahnpflege gemacht. Umso mehr freute es uns, dass Academia Liberti nun auch eine ganz frisch ausgebildete Therapeutin hat. Janine Mehr von AL Integral Equine Healthcare hat eine fundierte  Ausbildung in neuromuskulärer Zahnmedizin in den USA gemacht und reist seither umher, um Pferden mit ihren Zähnen zu helfen.

Sie arbeitet mit speziellen Handinstrumenten, um die Behandlung für das Pferd so schonend und angenehm wie möglich zu gestalten und präzise Anpassungen vorzunehmen. Die Behandlung erfolgt ohne Narkose. Die Pferde werden dabei nicht fixiert, sondern können sich am Seil bewegen. Mit Ruhe, Feingefühl und der richtigen Kommunikation lassen die meisten Pferde die Zahnbehandlung ohne Sedierung gut über sich ergehen.

Pedi hilft regelrecht mit sie arbeitet wunderbar mit Janine zusammen und scheint sofort zu begreifen, dass ihr hier geholfen wird. Die Pferde sind so froh, wenn man störende Ecken und Kanten bearbeitet und sie wieder leicht kauen können.
Auch Rainbow, der schon so viele Sedierungen in seinem Leben bekommen hatte, schaffte das ganz gut ohne Sedierung. Auch er kooperierte mit Janine und hatte keinen Stress damit.

Anders war das mit Corazon - er hatte sich angewohnt zu steigen, wenn er etwas nicht versteht oder ihm etwas zu viel ist. Und das tat er auch, sobald er das Maulgatter auf hatte. Janine bemühte sich wirklich, aber das Werkzeug ist so scharf, dass es viel zu gefährlich wäre im Maul zu arbeiten, wenn man Gefahr läuft abzurutschen und das Pferd dabei zu verletzen, wenn es so zappelig ist und steigt.

Das war sehr schade, denn gerade er hätte es am nötigsten gebraucht. Schon bei der Vorbesitzerin zeigte er beim und nach dem Fressen Auffälligkeiten. Er schob den Kiefer von links nach rechts und hatte sichtlich Beschwerden. Er verlor Graswickel und Heuknäuel. Seine Zähne wurden früher regelmäßig bearbeitet und der Zahntherapeut sagt damals, das sei nur eine dumme Angewohnheit des Pferdes. Das war es aber nicht, sondern er hatte wirklich Blockaden ganz hinten in seinem für einen Spanier typischen sehr engen Kiefer.

Nun hofften wir so sehr, dass wir ihm hätten helfen können, aber nein. Also machte ich mich auf die Suche nach einem kooperativen Tierarzt, der Corazon sedieren würde, damit Janine dann seine Zähne machen konnte. Und das klappte prima, der Tierarzt war rechtzeitig da, musste auch noch nachsedieren, weil der Schimmel wieder begann zappelig zu werden. Das war zwar nicht das, was ich mir wünschte, ich dachte wir könnten die Sedierung umgehen. Aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal dann ohne Sedierung. Hauptsache wir konnten endlich Erleichterung für Corazon erreichen.

Corazon hat Zwanghufe, aber er läuft prima. Wir bearbeiteten seine Hufe anfangs mit einem moderaten Trimm und konzentrieren uns jetzt so nach und nach auf die Weitung.

Hufbearbeitung der Pferde

Beim Thema Hufbearbeitung merken wir sehr wohl, dass es jetzt vier Pferde sind. Rainbow hat zum guten Glück optimale Hufe, was wir auf seine Zeit als Wildpferd zurückführen. Alle Strukturen sind am Platz und er läuft prima. So bekommt er einen moderaten Trimm im Abstand von ca. 6 Wochen, außer es ist mal eine Kleinigkeit zu bearbeiten zwischendurch. Für Rainbow war die Hufbearbeitung immer ein Alptraum gewesen. Von seinen Vorbesitzern wissen wir, dass er zwei Jahre lang sediert werden musste, damit man die Hufe bearbeiten konnte. Das Trauma saß tief aus der Zeit, in der er aus der Wildnis eingefangen wurde und unter Zwang und Druck auf ihn eingewirkt wurde. Und als er mit Sedation willenlos gemacht wurde.

Als ich das erste Mal meine Huflederschürze anzog und auf ihn zuging, raste er im gestreckten Galopp davon. Sobald er sah, es geht ans Hufe machen, war er weg. Zum Glück lebe und arbeite ich schon so lange mit Pferden, dass ich nicht mit Druck arbeite. Verständnis, Wohlwollen, Geduld, Liebe, Vertrauen und Gelassenheit sind die Faktoren, die in diesem Fall helfen. Also bliebe ich entspannt, arbeitete erst noch ohne Hufschürze und führte ihn über Wochen sehr langsam an das Thema heran.

Mittlerweile kann ich ihn relativ gut ausschneiden, ich teile es mir aber auf zwei Male auf, damit es ihm nicht zu viel wird. Ich binde Pferde nie an, so wird bei mir auch die Hufbearbeitung am freien Pferd durchgeführt. Rainbow vertraut mir immer mehr und eines Tages wird das für ihn völlig normal sein.

Bei der Hufbearbeitung sind die Hunde immer eifrig am Hufschnipsel essen.
Momos an Hufrehe erkrankter Huf, der zeitweise alle 3-4 Tage einen medizinischen Trimm braucht. Alles ist in Umformung und ist oft noch schmerzhaft.

Nie mehr alleine - Familienanschluß inbegriffen

Corazon lebte 4 Jahre in Einzelhaltung, durch Stromlitze getrennt von zwei älteren Pferden. Nie konnte er knubbeln und er stand immer auf sich allein gestellt auf seinem Paddock. Er war unsicher, ängstlich und hatte sich angewohnt, seinen Bereich zu verteidigen, gegen Störenfriede. Das war für unsere Schafe erst mal nicht einfach, denn er jagte sie immer von der Koppel, wir hoffen aber immer noch, dass er auch das bald loslässt. Die Hunde, Hühner und Katzen akzeptiert er mittlerweile sehr gut.

Hier bei uns am Lebenshof haben die Tiere quasi Familienanschluss, denn wir leben direkt mit ihnen zusammen. Ich bin jeden Tag für sie da und sie können mich oft hören, wenn ich im Haus bin. Mein Zimmer liegt direkt über dem Futterplatz der Pferde und ich schlafe immer bei offenem Fenster, sodass ich auch alles mitbekomme, was bei den Tieren los ist. Corazon ist darüber sehr froh. Wenn er mich sucht, dann kommt er in den Innenhof und schaut, wo ich bleibe. Recht schnell hat er gelernt, wenn er mit den Hufen gegen die Weidepanels tritt, dann komme ich.

Also stehen sie öfter mal hier an unserem Gartentisch und teilen sich mit. Als hätten sie eine Uhr im Bauch, kommen sie, wenn es mit der Fütterung zu lange dauert und fordern mich auf zu kommen. Für Corazon ist das so ein wichtiger Punkt, dass er weiß, er ist nie mehr alleine. Hier sind so viele verschiedene Tiere und ihr Mensch ist fast immer da.

Da stehen sie wieder und fordern mich auf, doch nun endlich zur Fütterung zu kommen. Wohlgemerkt sie haben Heu und Gras zur freien Verfügung, aber morgens gibts ja immer noch extra...
Oft geht die ganze Familie gemeinsam mit den Pferden und Hunden raus, das macht immer großen Spaß.
Und wieder ein weiterer Marsch mit den Pferden. Hier laufen sie gerade alle frei und verköstigen sich eigenständig.

Wie die Stuten sich verändert haben

Momo ist wieder so glücklich, sie hat ganz oft ihren "Schokoladen-Blick" drauf und wirkt zufrieden. Sie war der Hauptgrund für die Aufnahme der beiden Jungs. Ist sie dadurch gesund geworden? Nein. Aber es hat sich vieles gebessert. Ihr Hautbild hat sich verbessert, sie kam dieses Mal sehr gut durch den Fellwechsel. Sie läuft viel mehr, galoppiert sogar immer mal wieder. Sie hat sehr viel Spaß mit den Wallachen. Sie ist mega interessiert am Schimmel, ihre Vorliebe für Schimmel hatte sie schon immer.

Pedi ist über sich hinausgewachsen, sie ist stolz und sieht total gut aus. An Silvester 2026 wird Pedi 30 Jahre alt, aber sie läuft jeden Tag eifrig mit. Obwohl bei ihr 2025 Equines Asthma diagnostiziert wurde, ist sie gut drauf und wir geben kein Cortison, weil sie das sowieso nicht verträgt. Aber wir unterstützen sie so gut wir können mit alternativen Heilweisen, natürlicher Fütterung und Ergänzungen. Bei starkem Pollenflug hustet sie vermehrt, aber grundsätzlich ist sie sehr fit, hat eine prima Figur und ihre Hufe sind auch gut.

Die Stute Momo steht total entspannt im Stall. Sie hat sich verändert seit dem die Pferde angekommen sind .
Momo war der Hauptgrund für die Aufnahme der beiden Wallache. Sie sollte wieder Lebensfreude gewinnen und mehr Bewegung bekommen. Hier kommen wir vom Laufen zurück und sie gähnt zufrieden. Ihr Antlitz hat sich verändert, sie ist wieder glücklich.
Dieses Foto ist in der ersten Woche mit den Wallachen entstanden. Sie haben tagelang die Wallache nicht aus den Augen gelassen, waren rossig und sind ihnen hinterhergelaufen. Und zwar Tag und Nacht, bis sie eines Morgens aufgegeben haben. Sie lagen fix und fertig unter dem Unterstand und schliefen ganz tief.
Momo genießt es so sehr, dass die Wallache so gerne knubbeln. Das tut Pferden so gut, sie brauchen diesen Körperkontakt. Wie grausam ist doch die Haltung in Paddockboxen, in denen Pferde getrennt sind von ihren Artgenossen.
Corazon knubbelt mit Momo. Die beiden sind ein Dreamteam, für Momo ist der Schimmel super wichtig.
Merlin ist mit bei der Pferdewanderung und wir lassen alle noch an einem Hang grasen. Momo darf so oft es geht frei mitlaufen, das liebt sie und dann ist sie auch viel schneller unterwegs.
Zurück von dieser Tour halten wir an einer Lichtung im Wald und die Pferde suchen sich die Kräuter, Blätter und Gräser, die ihrem Körper gut tun.

Einfach Pferd sein am Lebenshof Naturreich

Am Lebenshof Naturreich versuchen wir, das Leben der Pferde so natürlich, wie nur möglich zu gestalten. Leider haben wir noch viel zu wenig Weideland, dass wir wirklich von einer artgerechten Haltung reden könnten. Doch es ist klar im Ziel, dass sich das ändert. Derweil versuchen wir, ihnen trotzdem alles zu ermöglichen, was möglich ist. Jeden Tag sind wir unterwegs und erleben immer wieder wunderschöne Stunden. Ganz nebenbei sind wir selbst auch nochmals fitter geworden, denn zum täglichen Sport, der körperlichen Arbeit, dem Walking mit den Hunden und allem anderen, kommen nun ja täglich 1,5-2,5h Pferdewanderung dazu.

Das hört sich so an, als drehe sich alles nur um diese vier Pferde? Könnte man meinen - es ist aber anders. Am Lebenshof Naturreich leben Wachteln, Hühner, Hunde, Katzen, Schafe, Meerschweinchen und Kaninchen. Jedes Tier möchte gesehen werden und jedes hat seine Bedürfnisse. Ich bin aus Liebe und Begeisterung Tierpflegerin geworden und auch wenn ich nie Urlaub habe im herkömmlichen Sinne, so gebe ich meine ganze Zeit den Tieren. Für die Pferde habe ich tatsächlich sehr viel Zeit gebraucht im letzten Jahr. Aber hei - ich brauche kein Fitness-Studio, mein Yoga mache ich zuhause, Nordic Walking teile ich mir mit den Hunden und auch wenn meine Tage oft sehr voll und anstrengend sind, macht es immer noch Freude.

Außerdem gibt es da ja auch nebst unserem Körper auch noch Geist und Seele. Und warum ich Naturmentoring so sehr schätze, liegt genau darin begründet. Zeit mit Tieren in der Natur ist kostbarer, als alles was mir einfällt. Niemand hat die Gabe, dich so direkt mit deinem Wesenskern und dem dich umgebenden Naturreich zu verbinden. Und weil ich das seit 30 Jahren in aller Tiefe und Fülle erleben darf, entstand meine Herangehensweise der naturreichverbundenen Energetik.

Wieder einmal mit den Pferden in den Wäldern unterwegs. Sedi passt auf, dass alle in der Nähe bleiben.
Corazon in den ersten Wochen, an der Kiefer, die alle Tiere lieben. Hier war auch Antons Lieblingsplatz, deshalb hängt hier auch noch sein Foto. Wir vermissen unseren Buben immer noch und ganz manchmal hab ich das Gefühl, er ist hier. Hier sieht man sehr gut, wie zart Corazon da noch war, fast wie ein Fohlen, er hat an Stärke und Ausdruck gewonnen.
Rainbow genüsslich am Wälzen
Auf dem Weg zum Paddock-Trail, die beiden Wallache sind immer in Bewegung.
Zurück vom Trail versammeln sich alle vier an der Heuraufe am Stall und genießen 24/7 Futter
Hier sind die beiden am Spielen und Toben - das ist jedes Mal ein Schauspiel.

Tiefes Vertrauen ist gewachsen

In diesem einen Jahr haben wir eine sehr gute Basis aufgebaut gemeinsam mit den vier Pferden. Wir sind täglich (bis auf wenige Ausnahmen) unterwegs mit ihnen und durchstreifen die Wälder. Sie laufen immer am langen Zügel, unterwegs dürfen sie frei ihre Nahrung aussuchen. Das ist immer wieder so interessant, wenn du siehst, was ein Pferd unterwegs frisst, dann weißt du genau, welches Thema es gerade hat. Sie wissen ganz genau, was sie brauchen.

Rainbow hat seine ersten 5 Lebensjahre als Wildpferd in Irland leben dürfen und er hat deshalb ein ganz ausgeprägtes Feingefühl für die Wahl der Pflanzen, Früchte und Blätter, die er aufnimmt. Als man ihn damals eingefangen hatte, hat er sehr gelitten. Er konnte Menschen, vor allem Männern erst einmal nicht mehr vertrauen. Sie hatten ihn sehr hart rangenommen und mit Gewalt gebrochen, wie das leider noch immer bei vielen Leuten üblich ist.

Er hat mich dieses ganze Jahr immer ganz genau beobachtet, jede Gefühlsregung meinerseits registriert. Er hat beobachtet, wie ich mich bewegte und was ich tat, alles, ganz genau. Er ist super sensibel auf Berührung, möchte geachtet und respektiert werden und reagiert sehr empfindlich auf unwirsche Bewegungen oder Hektik. Es kam zwei Mal vor, dass er Menschen ganz ernsthaft drohte, weil sie viel zu schnell in sein Feld eingedrungen waren. Er spürt genau, in welcher Gesinnung du gerade bist und es hat eine Weile gedauert, bis er sich auch mit den männlichen Familienmitgliedern eingelassen hat.

Die beiden neuen Pferde vertrauen mir voll und ganz. Sie wissen mittlerweile, ich bin der Ankerpunkt, die zuverlässige Kraft, die jeden Tag für ihre Bedürfnisse da ist. Sie kooperieren mit der ganzen Familie, durch die täglichen Wanderungen mit den Pferden haben wir viel Vertrauen aufbauen können. Die gemeinsame Zeit in der Natur verbindet, Pferde fühlen, wie du atmest, passen sich harmonisch deinem Tempo an, sind immer präsent und gegenwärtig. Sie möchten verstehen, warum du wie handelst. Und wenn du mehr und mehr die Pferdesprache sprichst, ist Verstehen so einfach.

Ich habe gelernt zu denken, wie ein Pferd und das macht es mir einfach, ihre Reaktionen zu erfassen. Körpersprache und Fokus sind wichtige Begleiter für einen freien Umgang mit Pferden. Wenn du weißt, wo du lang willst, dann folgen sie dir. Im ersten halben Jahr hatte sich Rainbow noch oft losgerissen und galoppierte davon oder er hatte es zumindest versucht. Er hatte die ersten Wochen noch immer nach Pferden gewiehert und sie gesucht. Doch mittlerweile lässt er sich von verschiedenen Personen am langen Zügel führen und bleibt dabei entspannt. Wenn er nach Pferden wiehert, dann nach unseren beiden Stuten, wenn ich die Wallache alleine mir rausnehme.

Ein einzigartiges, wundervolles, großherziges Wesen. Rainbow, ein ehemaliges Wildpferd, mit intaktem Fressinstinkt, sehr guten Hufen, eine echte Schönheit und eine Güte, die nicht von dieser Welt ist.
Sie haben eine neue Weidehütte für den Paddock-Trail bekommen und nach dem gemeinsamen Fressen legen sie sich gemütlich hin.
Corazon ist ein so feiner Kerl, er hat ein gutes Herz, ein freundliches Wesen, viel Temperament. Hier sehen wir sein für einen Pura Raza Espagnole typische dreieckige Auge, was immer etwas traurig anmutet. Aber er ist zufrieden und einfach nur froh, dass er nicht mehr alleine leben muss.
Hier ist Matthias unterwegs mit den Wallachen auf der morgendlichen Wanderung. Wir wechseln immer wieder die Routen und unterwegs dürfen sie immer wieder grasen.
Faxenmacher Corazon zieht mir die Mütze vom Kopf. Er liebt es auch Reißverschlüsse aufzumachen oder Gegenstände durch die Luft zu schleudern, der Gauner 😉
An einem kühlen Morgen genießt Rainbow die wärmende Sonne und Corazon frisst gemütlich Heu in Hülle und Fülle. Er ist so froh, dass er nicht mehr im Futter begrenzt wird.
Die Verbindung von Pferd zu Mensch ist schon so gut gewachsen. Wir können die Jungs unterwegs auch schon mal alleine lassen, ohne dass sie die Herde verlassen. Hier sind wir am Lieblingsplatz Quelle und schauen den Molchen zu. Corazon entspannt und wartet geduldig.
Was für ein großartiges, wundervolles Wesen, dieses Wildpferd im Herzen

Wasserstelle für Pferde: Feuchtigkeit für Hufe und Spaß

In diesem ersten Jahr mit den neuen Pferden versuchten wir so viel wie möglich den Trail zu optimieren. Wir legten weitere Laufstrecken an, es kamen zwei gebrauchte Heuraufen zusätzlich, weitere Wassertröge wurden im Trail verteilt, verschiedene Bogenbeläge angebracht, der Stall optimiert und derzeit sind wir mit der Fertigstellung der Wasserfurche beschäftigt. Das Hufbad für die Pferde ist sehr wichtig, damit ihre Hufe die Feuchtigkeit behalten und elastisch bleiben. Für Momo eine ganz wichtige Sache, damit ihr Huf gut in die Heilung findet.

Würden die Pferde in der freien Wildbahn leben können, würden sie zur Wasseraufnahme in natürlichen Gewässern stehen und dabei würden sich die Hufe mit Wasser vollsaugen. Außerdem spielen sie natürlich auch gerne im Wasser.

Kaum ist der Aushub für das Hufbad gemacht testen Rainbow und Corazon erst mal, was das ist.
Pedi plantscht im Wasser herum und Corazon schaut erst mal von außen zu.
Damit die Pferde bessere Bedingungen für Hufgesundheit haben, hatten wir den kompletten Bodenbelag abgetragen und erneuert auf dem Paddock hinter dem Stall.
Nach einem heißen Tag mit 27 Grad duschen wir die Pferde im noch nicht fertiggestellten Hufbad und sie genießen es sehr.

Beste Freunde geworden

Rainbow und Corazon sind beste Freunde, das war schon von der ersten Begegnung an und alles, was sie bislang bei uns erlebt haben, hat sie noch mehr zusammengeschweißt. Sie haben bisher wirklich JEDE Herausforderung gemeistert, weil sie sich zusammen so sicher fühlen. Vom Charakter sind Corazon und Rainbow zwar total verschieden, aber beide haben so ein feines Wesen und sind so liebevoll.

Sie raufen manchmal wie Junghengste, galoppieren im Renngalopp durch den Trail, dass man fast wegsehen muss in den Kurven und wenn der eine wälzt, legt sich der andere auch gleich dazu. Corazon drängt sich gerne in den Vordergrund, aber wenn er ängstlich ist, dann schickt er immer Rainbow voran. Rainbow ist eine coole Socke und ist ihm etwas unheimlich, dann geht er da hin und schaut sich die Sache genauer an.

Zwei Freunde beim Ruhen. Sie beobachten mich immer ganz genau, wenn ich im Stall oder Trail unterwegs bin.
Die Beiden sind richtig dicke Kumpels geworden. Sie machen fast alles gemeinsam und fühlen sich so sicher.
Hier sieht man den großen Fortschritt im Frühjahr 26. Corazon liegt völlig entspannt bei seinen Freunden.
Nach dem Spielen und Toben legt sich Rainbow hin und Corazon bleibt bei ihm.
Wieder einmal Ruhepause bei den Pferden. Momo liegt zu Füssen ihres allerliebsten Schimmels und er wacht über sie. Sie vertrauen sich durch und durch.
Rainbow bei seiner Freundin Pedi super entspannt hält er ein Nickerchen und schnarcht sogar.
Rainbow liegt entspannt auf der Wiese und ich geselle mich dazu.

Wie sich unser Leben durch die beiden Pferde verändert hat

Im März 2025 verstarb unser geliebter Wallach Anton völlig überraschend und unsere Momo verlor den Lebensmut. Sie trauerte so sehr, schrie tagelang nach ihrem Freund, legte sich in den Stall und hatte sich fast aufgegeben. Wir mussten handeln, so schnell als möglich. Da Momo an Hufrehe erkrankt war, hatten wir kurz vor Antons Tod schon die Entscheidung getroffen, dass ich einen Online-Hufkurs bei Maksida Vogt mache, um mein Wissen auf den neuesten Stand zu bringen. Und dass wir Unterstützung von einer Hufpflegerin aus der Ausbildung von Academia Liberti holen würden.

So begannen wir bereits im April damit, einen korrekten Huf-Trimm bei Momo anzuwenden in ganz kurzen Abständen die Hufe zu bearbeiten. Ich lief jeden Tag mit Momo und Pedi, unseren Stuten durch die Wälder, um sie zu bewegen und ihnen mit der Trauer um Anton zu helfen. Als die beiden Wallache dann bei uns waren, sind wir dann meistens mit vier Pferden unterwegs gewesen. Somit verbringen wir also viel mehr Zeit mit unseren Pferden, als früher. Es ist zu einem Ritual geworden, diese Stunden draußen in Feld, Wald und Flur mit den Pferden zu haben.

Für mich persönlich sind die beiden eine enorme Bereicherung in meinem Leben. Ich habe zwei neue Freunde gewonnen, von denen ich so viel lernen darf und deren Herz so groß und voller Liebe ist. Ich bin so dankbar, dass diese beiden zu uns gefunden haben und danke den Beiden so sehr dafür, dass sie unseren Stuten so viel Liebe schenken. Seit die Wallache bei uns sind, läuft unsere Momo so viel, wie sie es lange nicht getan hat. Meine Momo ist wieder glücklich, Pedi sowieso und dann kann auch ich glücklich sein.

Wir hatten große Kosten seit sie hier sind, für Umbauten, Erneuerungen, Optimierungen, Zahn- und Hufbehandlungen und Equipement. Aber es fühlt sich alles richtig und stimmig an. Auch die viele Zeit, die wir mit ihnen verbringen und die wir eigentlich ja nicht übrig haben, bereichert unser Leben auf vielfältige Weise. Mehr Bewegung heißt mehr körperliche Fitness und mehr geistige Klarheit. Die viele Zeit in den Wäldern stärkt das Immunsystem von Mensch und Tier, hilft zu tiefer Atmung und die Wahrnehmung ist eine tiefere geworden. Denn in der Natur erhebt sich der Blick und weitet sich.

Schlussgedanken

Sicher wunderst du dich über die Fülle der Bilder in diesem Artikel. Ich hätte noch Hunderte schöne Bilder von den Pferden aus diesem einen Jahr. Und ich wollte dir ein Gefühl dafür vermitteln, wie viel Zeit wir gemeinsam verbrachten und wie viel wir mit den Pferden erleben durften.

Ich hatte schon im ersten Blogartikel zu den beiden Neuankömmlingen geschrieben, wie traurig ich es finde, wenn Menschen Tiere aufnehmen und ihnen dann nicht genug Zeit lassen und Geduld entgegenbringen, dass sie wirklich ankommen können. Es gibt oft Situationen, die die Tiere triggern können und die altes, traumatisches Erleben wachrufen.

So hatten wir das bei unseren Beiden auch erlebt. Du tust etwas, weißt vielleicht gar nicht was es nun war. Welche Bewegung diese heftige Reaktion des Pferdes ausgelöst hat. Ich hatte irgend etwas Altes getriggert, ohne dass ich mir dessen bewusst war. Wenn du aber dein Pferd im Blick hast, kannst du wahrnehmen, wie es sich fühlt und es dort abholen, wo es eben gerade steht. Ich schimpfe dann nicht wegen heftiger Reaktionen, sondern helfe ihnen Altes loszulassen und beweise ihnen, dass sie mir vertrauen können.

Rainbow und Corazon sind ein Teil von uns geworden.
Verbunden von Herz zu Herz, von Wesen zu Wesen, von Seele zu Seele.

Marianne mit Momo

Hallo, ich bin Marianne

Als intuitive, hochsensible Impulsgeberin liegt mein Fokus darauf, Menschen mit der Natur und ihrem höchsten Selbst zu verbinden.

"Im Einfachen das Wunderbare erkennen"

Die besten Tipps+Inspirationen in 3 Freebies zum Download als PDF

 

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