Was ist ein Lebenshof?

3. Aug. 2023 | Tieraromatologie+Tierhaltung, Lebenshof Geschichten

Unzählige Tiere werden jeden Tag auf schlimmste Weise gequält in unserer Welt. In der Massentierhaltung, werden sie von Maschinen automatisiert gefüttert, sehen nie Tageslicht und stehen ohne Einstreu eingesperrt auf nacktem Boden. Unbegreiflich, wie Menschen es fertigbringen, Tiere so zu halten, so roh zu sein, so herzlos und lieblos.
Die Tierschutzorganisation Peta hat viele Videos im Netz, wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest. Es sind katastrophale Zustände bei den Tiertransporten und in den Schlachthöfen noch viel schlimmer. Hier hat die Soko Tierschutz großartige Arbeit geleistet in den letzten Monaten und konnte auch hier in Bayern gruselige Gräueltaten aufdecken. Auch auf ihrer Website kannst du einige Berichte sehen. Deshalb ist es wichtig, dass noch viele Lebenshöfe für Tiere entstehen, überall auf der Welt.

Lebenshöfe unterscheiden sich von Gnadenhöfen in einigen Punkten. Der Lebenshof dient als Heimat für die unterschiedlichsten Haus- und Hoftiere. Hier dürfen sie einfach Tier sein, möglichst artgerecht leben und werden liebevoll gepflegt.
Ein unversehrtes Leben ist KEINE GNADE, sondern steht den Tieren von Geburt an zu.

Auf Gnadenhöfen finden meist sehr viele Besuchertage statt und sie sind meist auch mit Gastronomie verknüpft. Manche haben Streichelgehege und für die Tiere ist das oft ein großer Stress. Es ist ähnlich wie in einem Streichelzoo.
Ein Lebenshof dagegen ist ein Ort der Ruhe und Stille und die Tiere dürfen hier in Frieden leben, mit Artgenossen in Offenstall-Anlagen und müssen keinen bestimmten Zweck erfüllen. Hof-Führungen werden selten gemacht, erstens wegen der Tiere und zweitens, weil die Zeit für die Tierpflege gebraucht wird.

schwarzes Pony schläft im Sand
Pedi schläft genüsslich.

Die Tiere am Lebenshof werden nicht weitervermittelt, denn sie dürfen hier ihr restliches Leben verbringen. Es wird auch nicht gezüchtet und geplant weitervermehrt. Denn die Not da draußen in der Welt ist so groß und die Tierheime sind voll.

Nach ihrer Ankunft am Lebenshof bekommen die Tiere die Zeit, die sie brauchen, um wirklich anzukommen. Sie werden nicht gedrängt sich anfassen zu lassen und dürfen in ihrem Tempo entscheiden, wann und ob sie das möchten. Wir haben hier zum Beispiel seit zwei Jahren ein sehr verängstigtes Schaf aufgenommen, das sich jetzt 2 Jahre später zum ersten Mal berühren lässt. Es hat zwar noch nie in meiner Laufbahn als Tierpflegerin so lange gedauert, aber dann ist das eben so.

Alle Tiere leben mit Artgenossen zusammen, damit sie genug Kommunikation haben. Die Gehege, Stallungen und Weideflächen sind großzügig angelegt und bieten Raum für Entspannung und Erholung.

Die Pflege auf einem Lebenshof ist intensiv und liebevoll, alle Tiere sind im Blick des zuständigen Tierpflegers. Klauenpflege, Hufpflege, Fellpflege, Zahnpflege, Krallenpflege, Langhaarpflege werden regelmäßig durchgeführt.

Alle Tiere bauen eine Beziehung zu ihren Betreuern auf, deshalb wird darauf geachtet, dass hier eine Kontinuität gegeben ist. Tiere lieben Rhythmus, bei uns am Lebenshof erkennen die Meerschweinchen mich zum Beispiel schon an meinem Schritt und quieken dann nach leckerem Essen. Das tun sie nicht, läuft jemand anders vorbei. Oder die Wachteln, die unser Hund in einer alten Hundebox am Waldrand gefunden hatte, vergessen, ohne Futter und Wasser. Für sie ist es enorm wichtig, dass sie sich auf mich verlassen können. Das mehrmals täglich jemand kommt und zu ihnen schaut. Und sie sind so dankbar für alles.

Vier Schafe auf der Frühlingsweide
Die Schafe Keona, Elin, Stine und Frodo.

Es gibt Tiere, die ihren tierischen Partner verloren haben und darum trauern. Sehr oft ist das bei Meerschweinchen der Fall, dass trauernde Meeris abgegeben werden. Manchmal treten Allergien auf bei den Tierhaltern und sie werden deshalb abgegeben.

Es gibt auch Menschen, die einfach nicht klarkommen mit ihrem Tier und die nicht bereit sind, die Verantwortung weiterzutragen. Für die Tiere ist das immer sehr schwer zu verstehen. Sie haben das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und wissen nicht, warum sie weggegeben werden. Es ist aber auf jeden Fall schon mal gut, wenn die bisherigen Tierhalter noch einen guten Platz für ihr Tier suchen. Denn andere setzen ihre Tiere einfach irgendwo aus. Gerade in der Urlaubszeit passiert es immer wieder.

Dann gibt es Nutztiere, die aus miserablen Verhältnissen herausgeholt und weitervermittelt wurden. Sie wurden gequält und missachtet und es dauert meist sehr lange, bis sie vertrauen fassen können.

Bei Pferden ist der Grund meistens, dass sie nicht mehr reitbar sind. Der Mensch hat sich das Tier aber als Sportgerät zugelegt und möchte weiterhin seinen Sport machen. Die meisten Pferdehalter sind nicht bereit, die gleichen Kosten zu übernehmen, wenn sie das Pferd doch nicht mehr „nutzen“ können für ihre Zwecke. Dann landen sie manchmal auf Lebenshöfen, oft aber auch beim Schlachthof.

Es sind sehr unterschiedliche Gründe, warum Tiere an Lebenshöfen stranden. Doch eines haben alle Fä(e)lle gemeinsam: Sie sind verunsichert, das eine mehr, das andere weniger.


Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz“

Franz von Assisi

Die Tiere, die zum Lebenshof kommen, weil sie ihre Tierpartner verloren haben, trauern. Die Trauer ist für Tiere genauso schwer, wie für uns Menschen. Und wir wissen, das braucht einfach Zeit. Bei uns am Lebenshof versuchen wir diesen Prozess zu erleichtern durch Zusprache, Liebe, viele liebe Tierfreunde, Homöopathie, FES-Blütenessenzen, ätherische Öle oder Bachblüten. Hier bietet die Natur viele Möglichkeiten und Befreiung für die Tiere.

Tiere, die schlecht behandelt wurden und traumatisiert sind, brauchen oft lange, bis sie das Erlebte erlösen können. Wir helfen auch hier mit obigen Möglichkeiten und der telepathischen Tierkommunikation. Feingefühl der Betreuer ist hier angesagt und Verständnis, wenn diese Tiere sich die ersten Monate auffällig verhalten. Jeder drückt seine Not anders aus, es kann auch sein, dass sie so verängstigt sind, dass sie auf Abwehr gehen, aggressiv gegen Tiere oder Menschen sind. Aus meinem Erleben in 30 Jahren Tierpflege weiß ich, jedes Tier ist ein individuelles Wesen und hat andere Prozesse. Wichtig ist nur, dass die Tierbetreuer regelmäßig da sind, viel Ruhe ausstrahlen, ihnen Zeit lassen. Eingewöhnungszeit von ungefähr 3 Wochen sind manchmal holperig, aber so richtig angekommen sind sie meist nach 3 Monaten. Dann sind sie sich sicher, dass sie hier eine Heimat gefunden haben und wirklich in Sicherheit sind.

Ich erinnere mich an eine Kuh, die nach der Geburt ihrer Zwillinge zum Schlachter sollte. Wir hatten sie damals übernommen aus einer Anbindehaltung. Sie hatte noch nie freien Himmel erlebt oder Gras unter ihren Füßen. Nach ein paar Tagen am Lebenshof wollte ich sie mit den anderen Kühen hinausbringen auf die Weide. Sie hat komplett durchgedreht und wollte partout im Stall bleiben. Ich hatte sie verstanden, es war zu viel für sie, bisher hatte sie immer ein Dach über dem Kopf und das war sie so gewohnt. Die Freiheit machte ihr große Angst, so begannen wir über Wochen allmählich kleine Schritte nach draußen zu tun. Und als sie es eines Tages geschafft hatte, mit den anderen mitzugehen, stand sie völlig irritiert auf der Weide. Sie hatte keine Ahnung, was sie da sollte und wusste gar nicht, dass sie hier selber Gras fressen konnte. Lange hat sie die anderen beobachtet, bis sie verstand. Aber dann war sie nur noch am Fressen und hatte sehr viel Spaß und Freude mit den anderen zusammen. Gerade bei den Kühen wird leider gar keine Rücksicht darauf genommen, dass es auch liebende Mütter sind und es werden ihnen die Kälber einfach weggenommen. Grausamer weise setzt man die armen Kälber in Plastikboxen, ganz alleine und füttert sie mit Ersatzmilch. Was ist das für eine Abartigkeit? Nur damit die Kühe weiterhin Gewinn bringen und sie die Milch verkaufen können. Nur durch Veganismus können wir diese Not eindämmen.

Tiere finden sehr gut zurück zur Lebensfreude am Lebenshof, weil es eine schöne Atmosphäre ist. In ihrer neuen Tiergemeinschaft erleben sie viel, sind nicht alleine, haben visuelle Reize, immer Bewegung, gutes Futter und Versorgung. Sie lieben das und es ist so schön zu sehen, wenn alte Verletzungen an Körper und Seele heilen. Der Lohn des Tierpflegers – glückliche Tiere.

Bunter Hahn mit 3 Hühnern auf der Wiese
Der Hahn Kjell mit seinen Hühnern unterwegs.

Ein Lebenshof bedeutet Verantwortung

Wer einen Lebenshof führt, hat eine große Verantwortung. Man könnte binnen weniger Stunden alle Ställe voll haben, so groß ist die Not in unserer Welt. Doch es sollte gut überlegt werden und geplant, wie viel Kapazität man wirklich DAUERHAFT hat. Sind die fianziellen Mittel ausreichend für all diese Tiere ein ganzes Leben lang zu sorgen? Sind die räumlichen Bedingungen gegeben und die Weideflächen ausreichend? Ist die Tierpflege 365 Tage im Jahr abgesichert? An Sonn- und Feiertagen, in den Urlaubszeiten oder bei Krankheit? Ist ein guter Tierarzt und Tierheilpraktiker in der Nähe? Kann die Hufpflege abgedeckt werden? Ein Lebenshof ist ein richtiger Betrieb, bei dem man wirtschaften muss. Alleine die Futtermittelbeschaffung ist eine regelmäßige Aufgabe, die Zeit in Anspruch nimmt. Die jährliche Heuernte darf bewerkstelligt werden und man braucht ein wasserdichtes Heulager. Was passiert mit dem anfallenden Mist? Das sind alles Kostenpunkte und Organisationsaufgaben. Viele Lebenshöfe werden privat finanziert, andere sind ein eingetragener Verein und werden von Spenden unterstützt.

Wenn du überlegst einen Lebenshof zu gründen, stehe ich dir gerne in einer 1:1 Beratung zur Verfügung. Buche dir dein Erstgespräch.
Mit meiner fachlichen Kompetenz aus 30 Jahren Leitung Lebenshof und Tierpflege erarbeite ich gerne mit dir dein für dich passendes Konzept. Denn mit einer guten Basis und Planung gelingt dein nachhaltiges, stabiles Projekt. Ich möchte dir Mut machen, denn die Not der Tiere ist groß und es braucht noch viele Orte, die Tieren eine Heimat bieten. Du kannst auch ganz klein beginnen und nur wenige Tiere aufnehmen, das ist genauso wertvoll und bedeutend. Beginne mit wenigen Tieren und schau, wie du zurechtkommst. Ein Lebenshof ist eine sehr herausfordernde Aufgabe, aber auch eine WUNDERVOLLE!

Hallo, ich bin Marianne

Als intuitive, hochsensible Impulsgeberin liegt mein Fokus darauf, Menschen mit der Natur und ihrem höchsten Selbst zu verbinden.

 

 

„Im Einfachen das Wunderbare erkennen“

2 Kommentare

  1. Ich bin sehr berührt von deinen Zeilen, du triffst mitten ins Herz.

    Meine Mission einen Lebenshof zu gründen treibt mich an.
    Meerschweinchen dürfen gerne bei mir einen Platz finden, habe da etwas im Kopf 🙂

    Mit Bachblüten arbeite ich auch, Naturheilkundeberaterin ist eine tolle Ergänzung für meine Tiere und war eine tolle Bereicherung.

    Ich fühle mich Tieren mehr verbunden als Menschen 💚

    Danke für diesen tollen Beitrag

    Antworten
    • Hallo Nicole
      danke das du dir die Zeit zum Lesen genommen hast und schön, dass ich dich berühren konnte. Ich freu mich immer riesig, wenn Menschen die Idee eines Lebenshofes umsetzen wollen.
      Meerschweinchen sind geniale Tiere, ich liebe sie so sehr. Und viele suchen gute Plätze, wenn du siehst, wie glücklich sie sind, wenn sie aus den Käfigen und Kinderzimmern heraus-
      kommen. Sie können in grossen Freilaufgehegen laufen und einfach nur Meeri sein. Herrlich. Das wird wundervoll werden bei euch in Schweden – du wirst sehen.
      Alles Liebe
      Marianne

      Antworten

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