Die Not der Tiere ist groß und wir sind alle dazu aufgerufen, zu einer Veränderung des Bewusstseins gegenüber Tieren beizutragen. Wir können unseren Lebensstil so anpassen, dass wir tierleidfreie Produkte konsumieren, unsere Ernährung überdenken und uns darüber bewusst sein, dass die Nachfrage das Angebot beeinflusst. Jeder Lebenshof ist wichtig und wird gebraucht.
Unzählige Tiere werden jeden Tag auf schlimmste Weise gequält in unserer Welt. In der Massentierhaltung, werden sie von Maschinen automatisiert gefüttert, sehen nie Tageslicht und stehen ohne Einstreu eingesperrt auf nacktem Boden. Lieblos, würdelos, qualvoll. Unbegreiflich, wie Menschen es fertigbringen, Tiere so zu halten, so roh zu sein, so herzlos und lieblos.
Die Tierschutzorganisation Peta hat viele Videos im Netz, wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest. Es sind katastrophale Zustände bei den Tiertransporten und in den Schlachthöfen noch viel schlimmer. Hier hat z. B. die Soko Tierschutz in den vergangenen Monaten großartige Arbeit geleistet und konnte auch hier in Bayern gruselige Gräueltaten aufdecken. Auch auf ihrer Website kannst du einige Berichte sehen. Deshalb ist es wichtig, dass noch viele Lebenshöfe für Tiere an möglichst vielen Orten entstehen.
Unterschied Gnadenhof zu Lebenshof
Ein Lebenshof unterscheidet sich von einem Gnadenhof in einigen Punkten. Der Lebenshof dient als Heimat für die unterschiedlichsten Haus- und Hoftiere. Hier dürfen sie einfach Tier sein, möglichst artgerecht leben und werden liebevoll gepflegt. Ein Lebenshof dagegen ist ein Ort der Ruhe und Stille und die Tiere dürfen hier in Frieden leben, mit Artgenossen in Offenstall-Anlagen, und müssen keinen bestimmten Zweck erfüllen. Hof-Führungen werden selten gemacht, erstens wegen der Tiere und zweitens, weil die Zeit für die Tierpflege gebraucht wird.
Ein unversehrtes Leben ist KEINE GNADE, sondern steht den Tieren von Geburt an zu.
Auch auf Gnadenhöfen finden viele Tiere ein liebevolles Zuhause. Es finden dort meist regelmäßige Besuchertage statt und sie sind oft auch mit Gastronomie verknüpft. Manche haben Streichelgehege, was für die Tiere auch Stress bedeuten kann. Ansonsten stehen beide Begriffe für eine Heimat für Tiere und letztlich wird jeder Gnadenhof oder Lebenshof individuell geführt, je nach Bewusstsein der Betreiber.

Was passiert mit den Tieren am Lebenshof?
Die Tiere am Lebenshof werden nicht weitervermittelt, denn sie dürfen hier ihr restliches Leben verbringen. Es wird auch nicht gezüchtet und geplant weitervermehrt, da in den Tierheimen bereits so viele Tiere auf ein Zuhause warten.
Nach ihrer Ankunft am Lebenshof bekommen die Tiere die Zeit, die sie brauchen, um wirklich anzukommen. Sie werden nicht gedrängt, sich anfassen zu lassen, und dürfen in ihrem Tempo entscheiden, wann und ob sie das möchten. Wir achten ihren freien Willen. So lebt zum Beispiel seit zwei Jahren ein sehr verängstigtes Schaf bei uns, das sich jetzt, 2 Jahre später, zum ersten Mal berühren lässt. Es hat zwar noch nie in meiner Laufbahn als Tierpflegerin so lange gedauert, aber dann ist das eben so.
Alle Tiere leben mit Artgenossen zusammen, damit sie angemessene Kommunikation haben. Die Gehege, Stallungen und Weideflächen sind großzügig angelegt und bieten Raum für Entspannung und Erholung. Die Tierpflege auf einem Lebenshof ist intensiv und liebevoll, alle Tiere sind im Blick des zuständigen Tierpflegers. Klauenpflege, Hufpflege, Fellpflege, Zahnpflege, Krallenpflege und Langhaarpflege werden regelmäßig durchgeführt.
Alle Tiere bauen eine Beziehung zu ihren Betreuern auf. Deshalb wird darauf geachtet, dass hier eine Kontinuität gegeben ist. Tiere lieben Rhythmus. Bei uns am Lebenshof erkennen die Meerschweinchen mich zum Beispiel schon an meinem Schritt und quieken dann nach leckerem Essen. Das tun sie nicht, wenn jemand anders kommt. Oder die Wachteln, die unser Hund in einer alten Hundebox am Waldrand gefunden hatte, vergessen, ohne Futter und Wasser. Für sie ist es enorm wichtig, dass sie sich auf mich verlassen können und mehrmals täglich jemand kommt und nach ihnen schaut. Sie sind so dankbar für alles.

Warum kommen Tiere zum Lebenshof?
Es gibt Tiere, die ihren tierischen Partner verloren haben, und die Besitzer haben Mitgefühl mit dem allein zurückgebliebenen Tier. Oft ist das bei Meerschweinchen der Fall, dass trauernde Meeris abgegeben werden, weil die Tierhaltung aufgegeben werden soll. Manchmal treten Allergien bei den Tierhaltern auf und sie werden deshalb abgegeben.
Es gibt auch Menschen, die einfach nicht klarkommen mit ihrem Tier und die nicht bereit sind, die Verantwortung weiterzutragen. Für die Tiere ist das immer sehr schwer zu verstehen. Sie haben das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, und wissen nicht, warum sie weggegeben werden. Es ist aber auf jeden Fall schon mal gut, wenn die bisherigen Tierhalter noch einen guten Platz für ihr Tier suchen. So kann Tierleid verhindert werden, wenn man rechtzeitig diese Entscheidung trifft. Denn andere setzen ihre Tiere einfach irgendwo aus. Gerade in der Urlaubszeit passiert es immer wieder.
Dann gibt es da die „Hof“-Tiere, die von Menschen ausgenutzt, aus miserablen Verhältnissen herausgeholt und weitervermittelt wurden. Darunter fallen alle Tiere aus Massentierhaltung oder Versuchslabors. Sie wurden gequält und missachtet, und es dauert meist sehr lange, bis sie Vertrauen fassen können.
Bei Pferden ist der Abgabegrund meistens die Tatsache, dass sie alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr reitbar sind. Der Mensch hat sich das Tier aber als Sportgerät zugelegt und möchte nicht auf den Sport verzichten. Die meisten Pferdehalter sind nicht bereit, die gleichen Kosten zu übernehmen, wenn sie das Pferd doch nicht mehr „nutzen“ können für ihre Zwecke. Dann landen sie manchmal auf Lebenshöfen, oft werden sie aber auch eingeschläfert oder an den Abdecker verkauft.
Es sind sehr unterschiedliche Gründe, warum Tiere an Lebenshöfen stranden. Doch eines haben alle Fä(e)lle gemeinsam: Sie sind verunsichert, verstört, oder traumatisiert, das eine mehr, das andere weniger.
„Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz“
Franz von Assisi
Wie finden Tiere am Lebenshof zurück zur Freude?
Die Tiere, die zum Lebenshof kommen, weil sie ihre Tierpartner verloren haben, trauern. Die Trauer ist für Tiere genauso schwer, wie für uns Menschen. Und wir wissen, das braucht einfach Zeit. Bei uns am Lebenshof versuchen wir diesen Prozess zu erleichtern durch Zusprache, Liebe, viele liebe Tierfreunde, Homöopathie, FES-Blütenessenzen, ätherische Öle oder Bachblüten. Hier bietet die Natur viele Möglichkeiten und Befreiung für die Tiere.
Tiere, die schlecht behandelt wurden und traumatisiert sind, brauchen oft lange, bis sie das Erlebte erlösen können. Hier helfen wir gerne mit der Tieraromatologie und der telepathischen Tierkommunikation. Feingefühl, Geduld und Verständnis der Betreuer sind angesagt, wenn diese Tiere sich die ersten Monate auffällig verhalten. Jeder drückt seine Not anders aus. Es kann auch sein, dass sie so verängstigt sind, dass sie auf Abwehr gehen, aggressiv gegen Tiere oder Menschen sind.
Aus meinem Erleben in 30 Jahren Tierpflege weiß ich: Jedes Tier ist ein individuelles Wesen und hat andere Prozesse. Wichtig ist nur, dass die Tierbetreuer regelmäßig da sind, viel Ruhe ausstrahlen und ihnen Zeit lassen. Die Eingewöhnungszeit von ungefähr 3 Wochen kann also manchmal holprig sein. So richtig angekommen sind sie meist erst nach 3 Monaten. Dann fühlen sie sich sicher, spüren, dass sie hier eine Heimat gefunden haben, und fassen allmählich Vertrauen.
Was ihnen dabei hilft, sind:
- Kontinuität, Regelmäßigkeit, Rhythmen in der Fütterung
- Gleichbleibende Betreuer
- ruhige Atmosphäre im Tierbereich
- Achtung ihres freien Willens
- Liebevolle Betreuung
- Ansprache
- harmonische Musik
- diffundieren ätherischer Öle in den Stallungen
- ausgleichen von Mangelzuständen körperlicher Art
- Unterstützung bei Traumata
- telepathische Tierkommunikation
- Freundschaften mit Artgenossen
- viel Freiraum in Offenställen
- täglicher Zugang zu Weideland
Beispiel Integration Kuh
Ich erinnere mich an eine Kuh, die nach der Geburt ihrer Zwillinge zum Schlachter sollte. Wir hatten sie damals übernommen aus einer Anbindehaltung. Sie hatte noch nie freien Himmel erlebt oder Gras unter ihren Füßen. Nach ein paar Tagen am Lebenshof wollte ich sie mit den anderen Kühen hinausbringen auf die Weide. Sie hat komplett durchgedreht und wollte partout im Stall bleiben. Ich war nicht sensibel genug und hatte nicht begriffen, was sie durchgemacht hatte. Sie war immer im Stall festgebunden gewesen, hatte immer ein Dach über dem Kopf gehabt, und das war sie gewohnt.
Es war also viel zu früh, sie hinauszuschicken. Die Freiheit machte ihr große Angst, so begannen wir über Wochen allmählich kleine Schritte nach draußen zu tun. Und als sie es eines Tages geschafft hatte, mit den anderen mitzugehen, stand sie völlig irritiert auf der Weide. Sie verstand nicht, was sie da sollte, und wusste gar nicht, dass sie hier selbst Gras fressen konnte. Lange hat sie die anderen beobachtet, bis sie begriff. Aber dann war sie nur noch am Fressen und hatte sehr viel Spaß und Freude mit den anderen zusammen.
Gerade bei den Kühen wird leider gar keine Rücksicht darauf genommen, dass es auch liebende Mütter sind, und es werden ihnen die Kälber einfach weggenommen. Grausamerweise setzt man die armen Kälber in Plastikboxen, ganz allein, und füttert sie mit Ersatzmilch. Was ist das für eine Abartigkeit? Nur damit die Kühe weiterhin Gewinn bringen und sie die Milch verkaufen können. Nur durch Veganismus können wir diese Not eindämmen.
Tiere finden zurück zur Lebensfreude am Lebenshof, weil es eine schöne Atmosphäre ist. In ihrer neuen Tiergemeinschaft erleben sie viel, sind nicht allein, haben visuelle Reize, immer Bewegung, gutes Futter und Versorgung. Sie lieben das und es ist so schön zu sehen, wenn alte Verletzungen an Körper und Seele heilen. Der Lohn des Tierpflegers – glückliche Tiere.

Ein Lebenshof bedeutet Verantwortung
Wer einen Lebenshof führt, hat eine große Verantwortung. Man könnte binnen weniger Stunden alle Ställe voll haben, so groß ist die Not in unserer Welt. Doch es sollte gut überlegt und geplant werden, wie viel Kapazität man wirklich DAUERHAFT hat. Es gibt also Punkte, über die du nachdenken solltest, bevor du einen Lebenshof gründest.
- Sind die finanziellen Mittel ausreichend, für all diese Tiere ein ganzes Leben lang zu sorgen?
- Sind die räumlichen Bedingungen gegeben und die Weideflächen ausreichend?
- Ist die Tierpflege 365 Tage im Jahr abgesichert? An Sonn- und Feiertagen, in den Urlaubszeiten oder bei Krankheit?
- Ist ein guter Tierarzt und Tierheilpraktiker in der Nähe?
- Kann die Hufpflege abgedeckt werden?
- Lagermöglichkeiten für Heu und Stroh
- Mistentsorgung gewährleistet?
- Wie bewerkstelligst du die jährliche Heueinfuhr?
- und weitere
Ein Lebenshof ist so zu sehen wie ein richtiger Betrieb, bei dem man wirtschaften muss. Allein die Futtermittelbeschaffung ist eine regelmäßige Aufgabe, die Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Es gibt unzählige Kostenpunkte und Organisationsaufgaben. Die Betreuung kranker Tiere ist intensiv und kann nicht vorausgeplant werden. Es braucht etwas Vorkenntnisse, Geduld und Ausdauer. Ein Lebenshof ist ein soziales Projekt, für das es keine Anerkennung gibt und mit dem man keinen Umsatz macht. Ein Lebenshof kann privat finanziert sein, Spendengelder erhalten oder es kann ein Verein gegründet werden, der die Trägerschaft übernimmt.
Wenn du überlegst, einen Lebenshof zu gründen, stehe ich dir gerne in einer 1:1-Beratung zur Verfügung. Buche dir dein Erstgespräch.
Mit meiner fachlichen Kompetenz aus 30 Jahren Leitung Lebenshof und Tierpflege erarbeite ich gerne mit dir dein für dich passendes Konzept. Denn mit einer guten Basis und Planung gelingt dein nachhaltiges, stabiles Projekt. Ich möchte dir Mut machen, denn die Not der Tiere ist groß und es braucht noch viele Orte, die Tieren eine Heimat bieten. Du kannst auch ganz klein beginnen und nur wenige Tiere aufnehmen, das ist genauso wertvoll und bedeutend. Beginne mit wenigen Tieren und schau, wie du zurechtkommst. Ein Lebenshof ist eine sehr herausfordernde Aufgabe, aber auch eine WUNDERVOLLE!

Pures Leben eben! Das ist meine Philosophie, nach der ich lebe. Die Natur ist meine Krafttankstelle und meine Heimat.
Seit über 30 Jahren lebe und arbeite ich mit Tieren in der Natur und folge einem bewussten, einfachen Lebensstil. Seit dem 22.5.2023 teile ich auf meinem Blog meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Inspirationen, die dich ermutigen können, wieder näher zu dir selbst und zu deiner Natürlichkeit zu finden.
Ich bin überzeugt: Natürlichkeit und Einfachheit sind der Schlüssel zu mehr Wohlbefinden, Freude und Selbstbestimmung. Mehr über mich erfährst du hier.








Ich bin sehr berührt von deinen Zeilen, du triffst mitten ins Herz.
Meine Mission einen Lebenshof zu gründen treibt mich an.
Meerschweinchen dürfen gerne bei mir einen Platz finden, habe da etwas im Kopf 🙂
Mit Bachblüten arbeite ich auch, Naturheilkundeberaterin ist eine tolle Ergänzung für meine Tiere und war eine tolle Bereicherung.
Ich fühle mich Tieren mehr verbunden als Menschen 💚
Danke für diesen tollen Beitrag
Hallo Nicole
danke das du dir die Zeit zum Lesen genommen hast und schön, dass ich dich berühren konnte. Ich freu mich immer riesig, wenn Menschen die Idee eines Lebenshofes umsetzen wollen.
Meerschweinchen sind geniale Tiere, ich liebe sie so sehr. Und viele suchen gute Plätze, wenn du siehst, wie glücklich sie sind, wenn sie aus den Käfigen und Kinderzimmern heraus-
kommen. Sie können in grossen Freilaufgehegen laufen und einfach nur Meeri sein. Herrlich. Das wird wundervoll werden bei euch in Schweden – du wirst sehen.
Alles Liebe
Marianne